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Forschung » Kanadaprojekt

"Bow Valley Wolf Behaviour Study":
Langzeit-Verhaltensbeobachtungen an Timberwölfen in den kanadischen Rocky Mountains

Projektleiter: Günther und Karin Bloch.
Wissenschaftliche Berater: Dr. Paul Paquet & Dr. Mike Gibeau (Universität Calgary)

20 Jahre Freilandforschung an Wölfen:

Fotos der Pipestone Wolfsfamilie Videosequenz der Pipestone Wolfsfamilie 1991 bot uns der weltweit anerkannte Biologe und Verhaltensökologe Dr. Paul Paquet an, für ihn direkte Verhaltensbeobachtungen an Wölfen und Kojoten durchzuführen. Unter Pauls Leitung lernten wir, das komplexe Sozialverhalten von frei lebenden Kaniden in deren Höhlen- und Rendezvousgebieten professionell zu dokumentierten. Infolgedessen konnten wir seit 1992 jedes Jahr (von Ende Mai bis Anfang Juli, täglich bis zu 16 Stunden) umfangreiches Foto- und Videomaterial zum Gruppenleben der Spray-, Bowtal-, Panther-, Reddeer- und Fairholme-Wolfsfamilien erstellen. Da es schlichtweg unmöglich ist, mit Wölfen in freier Wildbahn “zusammenzuleben”, begleiteten wir mit unserem Geländewagen ab 1998 zwei Wolfsfamilien auch jeden Winter (von Anfang November bis Anfang April, täglich bis zu 12 Stunden).

Heute lebt in unserem Untersuchungsgebiet (Bowtal/ Banff Nationalpark) nur noch eine Wolfsfamilie, die “Pipestones” (s.u.).
Seit unserer Einwanderung nach Kanada im Jahre 2010 sind wir als Freilandforscher ganzjährig aktiv.

Resultate aus zwei Jahrzehnten Freilandforschung an Wölfen:

Dank unserer Untersuchungsergebnisse sind wir seit geraumer Zeit bestens gewappnet, eine strikte Trennung zwischen Verhaltensverallgemeinerungen und qualitativen Beweisen vorzunehmen. Wolfspersönlichkeiten wie „Storm und Aster“, „Nanuk und Delinda“ und uptodate „Spirit und Faith“ beweisen uns immer wieder aufs Neue, dass die Existenz eines alles entscheidenden „Alphawolfs“, der stets zuerst frisst, als ewiger Gruppenleiter fungiert oder seinen Nachwuchs ständig traktiert um „hochrangig zu bleiben“, ein tradiertes Märchen ist. Jugendliche Wölfe wie früher „Yukon und Nisha“, „Fluffy und Sundance“ oder jetzt „Blizzard und Skoki“ leben uns vor, wie man lernt, ohne Aufsicht und Kontrolle von Erwachsenen zwischenzeitlich eigene Erlebnisse zu verarbeiten.

Wie wir heute wissen, wachsen Wolfswelpen in einer Art Dreiklassengesellschaft auf, die sich aus einem „Anführertyp“, einem „Seelchen“ und einem sozial-geselligen Mittelfeld zusammensetzt. Aufgrund ihrer Lebensraumprägung inmitten einer stark ausgebauten Infrastruktur verhalten sich Bowtal-Wölfe gegenüber Menschen entsprechend flexibel. „Teenies“, die wir gerne als „großkotzige Schnösel“ bezeichnen, zeigen uns, wie jedes Wolfsindividuum zu einer unverwechselbaren Persönlichkeit heranreift.
Die Sozialisation von Wolf und Rabe, die von klein an interagieren, mündet in ein auf Dauer angelegtes, gemeinsames Zusammenleben.

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Grosse Dynastien kommen und gehen:

Nach langen Jahren der Vorherrschaft zeigte die Familienkultur des alten Bowtal-Wolfsclans im Spätsommer 2009 massive Zerfallserscheinungen. „Turbo-Queen“ Delinda war gestorben und ihr Lebensgefährte Nanuk hatte es trotz emsigen Einsatzes nicht geschafft, seine Nachkommenschaft als allein erziehender Vater durchzubringen. Die Familie brach auseinander.

Nanuk, Delinda und Fluffy
In ewiger Erinnerung an Nanuk, Delinda und Fluffy (von links nach rechts)


Auge in Auge mit dem Wolf
Allen, die an der kompletten Lebensgeschichte der Bowtal-Wölfe (1988-2008) interessiert sind, möchten wir unser Buch “Auge in Auge mit dem Wolf” ans
Herz legen.

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Ein "Konkurrenzunternehmen" tauchte auf: Die Pipestones. Diese bis dahin weitestgehend unbekannte Wolfsfamilie wird bis heute von dem Leitpaar „Spirit“ und „Faith“ geführt und hat sich nach anfänglichen Irrungen und Wirrungen fest im Bowtal etabliert. Die beiden mittlerweile 2,5 Jahre alten Rüden „Chesley“ und „Rogue“ sind im Dezember 2009 im Alter von gut 1,5 Jahren abgewandert, was durchaus der Norm entspricht. Die beiden ein Jahr jüngeren, im April 2009 geborenen Geschwister „Blizzard“ und „Skoki“ waren bis zum Dezember 2010 noch fest im Familiengeschehen integriert. Sie fungierten, wie in Wolfsfamilien üblich, als Helfeshelfer.

Die Pipestones sind seit Oktober 2009 im Bowtal aktiv. Seither waren und sind wir jeden Tag stundenlang mit ihnen unterwegs, videografieren, sammeln Verhaltensnotizen. In unserer Abwesenheit schaut unser Projektmitarbeiter Peter Dettling regelmäßig nach ihnen, filmt und fotografiert.

Meadow Der letzte Nachwuchs, geboren im April 2010, bestand aus dem Rüden "Chester" und den beiden Weibchen "Meadow" und "Lillian". Blizzard, die 2-jährige Schwester, ist weiterhin, aufgrund ihres exzellenten Verhältnisses zu ihrer Mutter Faith, fester Bestandteil der Familie und kümmerte sich ganz besonders um die drei Jungen. Skoki, Blizzards gleichaltriger Bruder, hat im Dezember 2010 die Familie verlassen. Er ist derzeit im benachbarten Peter Lougheed Provincial Park, ca. 80 km vom heimatlichen Revier entfernt. Hier hat er eine Paarungspartnerin gefunden. Leider wurde die junge Meadow am 07.03.2011 von einem Zug tödlich verletzt und starb. Stand der Dinge im August 2011: Die Pipestone-Wolfsfamile besteht derzeit aus den Mitgliedern Faith, Spirit, Blizzard und Chester. Lillian hat die Familie verlassen, hat aber noch sporadischen Kontakt mit ihnen. Im April 2011 wurden insgesamt 6 Welpen aufgezogen (5 schwarze und 1 graues).


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Wolf und Hund sind und bleiben enge Verwandte:

Alle Haushunde, egal welcher Rassen sie angehören, können ihre wölfischen Wurzeln nicht verleugnen. Wolf und Hund sind laut DNA-Analysen enger miteinander verwandt als Wolf und Kojote oder Wolf und Schakal. Genau deshalb werden Haushunde in der Wissenschaft unter der korrekten Bezeichnung „Canis lupus f. familiaris“ geführt. Die beeindruckende Fähigkeit zur Kooperation, auch mit anderen Arten, hat der Hund vom Wolf geerbt. Auch wenn sich Haushunde schon lange Zeit an ein gemeinsames Leben mit dem Menschen angepasst haben, bleiben ihre klassischen Eigenschaften trotzdem sehr wölfisch: sie sind sozial, territorial, und Beutegreifer. Sie sind zudem, was anscheinend oft völlig vergessen wird - wenngleich aufgrund hervorragender Sinnesleistungen multifunktionsfähig - primär „Nasentiere“.

Warum erforschen wir eigentlich Wölfe und stellen Vergleiche mit Hunden an?

Um das komplexe Verhaltensrepertoire unserer vierbeinigen Hausgenossen besser zu verstehen, gilt es im Sinne des bekannten Wissenschaftlers N. Tinbergen vier verhaltensbiologische Fragen zu stellen:
„Woher“ (kommt der Hund), „Wozu“ (macht er was er macht), „Wie“ (macht er was) und "Wodurch" (wird Verhalten bestimmt).
Aus diesen Fragestellungen ergibt sich, dass Bemerkungen wie „Hunde haben mit Wölfen nichts mehr gemein“ oder „ein Vergleich Wolf und Hund ist unseriös“ das eigentliche Thema verfehlen. Hunde verhalten sich überspitzt formuliert wie jugendliche Wölfe. Deshalb sollten sich Hundehalter auch mit Wolfsverhalten auseinandersetzen.

Gerade weil wir seit Jahr und Tag Mehrhundehalter sind, interessieren uns Unterschiede, Gemeinsamkeiten und Verhaltensparallelen zum Wolf. Bei Wolfsfamilien und Mensch-Hund-Gespannen handelt es sich um unterschiedlich strukturierte Gruppenkonstellationen. Wolfseltern sind keine machtversessene Diktatoren, sondern Idol-Figuren mit sozialer Kompetenz. Von Ihnen können Hundehalter lernen, wie man sich effektiv als verantwortungsvolle Gruppenleiter zu verhalten hat.

Zitat von P. Paquet (2009): „Die Aktionen und Traditionen von Wolfsfamilien reflektieren das kollektive Zusammenspiel verschiedener Individuen. Menschen könnten vieles ÜBER SICH SELBST lernen, würden sie das wölfische Leben nur genauer betrachten und versuchen, es zu verstehen“.

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Wolfspaten gesucht!

Vorab möchten wir uns bei denjenigen Menschen bedanken, die teilweise schon seit etlichen Jahren eine Wolfspatenschaft übernommen haben. Je mehr dazukommen, desto besser. Um neben den bereits vorhandenen noch zusätzliche Foto-Fallen und anderes Feldforschungsequipment anschaffen zu können, brauchen wir so viel finanzielle Unterstützung wie möglich.
Kontinuierlich durchgeführte Verhaltensstudien sind mit einem erheblichen Engagement und auch mit enormen Kosten verbunden. Um das extrem mobile Leben "unserer" Wölfe unter Freilandbedingungen so lückenlos wie möglich dokumentieren zu können, legen wir mit einem Allrad-Geländewagen pro Monat durchschnittlich 5000 km zurück.
Da wir die ganze Arbeit (als steuerpflichtige Unternehmer) selbst finanzieren, brauchen wir die Hilfe von möglichst vielen Hundehaltern, die uns finanziell unterstützen! Deshalb wenden wir uns gleichermaßen an Naturliebhaber, Wolfsfreunde, Hundetrainer und Halter mit der Bitte, eine Patenschaft für einen Wolf zu übernehmen. Durch eine Patenschaftsübernahme helfen sie nicht irgendeinem imaginären Forschungsprojekt, sondern erfahren das aktuelle Lebensgeschehen "Ihres" Wolfes aus erster Hand. Im Gegensatz zu Großprojekten, die fast immer mit einem riesigen bürokratischen Aufwand verbunden sind, fließt Ihr Geldbeitrag garantiert direkt in unser Forschungsbudget.

Was habe ich als Hundehalter von einer Wolfspatenschaft?
Einfache Antwort: Wissensvermehrung! Ob Diskussion über Alphastatus, Futterrangordnung, Führungsverhalten, Welpenaufzucht oder den Austausch von Kommunikationssignalen (von Beschwichtigung bis "Nacken-Schüttler"): Jeder erzählt etwas anderes über Wolfsverhalten und verunsichert den einfachen Hundehalter immer mehr. Durch eine Patenschaft für "Spirit" und/oder "Faith" hat nun jeder die Möglichkeit, ohne auf Spekulationen angewiesen zu sein, stets neue Feldforschungsergebnisse aus erster Hand zu erhalten.

Übrigens:
Eine Patenschaft ist auch eine ausgefallene Geschenkidee für Geburts- und Namenstage
oder zu Weihnachten!


Auch wenn wir nun in Kanada leben, bleibt der Ablauf für die Wolfspaten der gleiche wie bisher. Alle Überweisungen gehen auch weiterhin auf das deutsche Konto, wie im Patenschaftsformular erwähnt (s.u.).

Alle Informationen zu den Wolfspatenschaften finden Sie auf unserem Patenschaftsformular (PDF).
Bitte laden Sie sich das Formular herunter und drucken es aus.
Spirit Faith


Fotos:
© John E. Marriott / www.wildernessprints.com (Faith und Spirit) und
© Peter A. Dettling / www.TerraMagica.ca (Nanuk, Delinda und Fluffy)

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